It is currently 26. Jan 2020, 18:08

All times are UTC + 1 hour




 Page 1 of 1 [ 1 post ] 
FollowersFollowers: 0
BookmarksBookmarks: 0
Views: 235

AuthorMessage
 Post subject: Daimler greift voll an
#1PostPosted: 3. Mar 2010, 07:47 
Registrierter Benutzer
User avatar

Joined: 02.2008
Posts: 2274
Location: Saarland
Gender: Male
Ich fahre einen...: Mazda ;-))
Interview mit Thomas Weber

Stuttgart - Grüne Technik wird künftig für den Erfolg eines Autoherstellers entscheidend sein, sagt Thomas Weber, im Daimler-Vorstand zuständig für Forschung und Entwicklung. F800 heißt das Forschungsfahrzeug, das vermutlich schon bald auf den Markt kommen wird.

Image
Thomas Weber hat große Ziele. Foto: Steinert

Herr Weber, auf dem Genfer Autosalon steht bei Daimler in diesem Jahr das Forschungsfahrzeug F800 im Rampenlicht. Was ist die Botschaft dieses Wagens?

Die Botschaft ist: Eleganz trifft Effizienz. Der F800 enthält viele Elemente der künftigen Designsprache von Mercedes-Benz. Zugleich bietet das Forschungsfahrzeug ein Höchstmaß an Effizienz. Denn dies ist für die Zukunft des Automobils von größter Bedeutung. Das konsequente Ausrollen grüner Technik wird für den Erfolg eines Autoherstellers künftig ausschlaggebend sein. Der F800 ist allerdings kein Auto für die ferne Zukunft. Er ist dicht an der Serie dran. Vieles davon wird bald auf die Straße kommen.

Was kennzeichnet denn das neue Design?

Was für uns ganz wichtig ist: Mercedes-Benz steht für hochemotionales Design. Fließende Linien, coupéhaft Formen, Eleganz. Und wie beim F800 ein sehr prägnantes Gesicht mit dem Stern in der Mitte sowie markentypische Charakterlinien an der Seite. Diese Designlinien wollen wir Schritt für Schritt in unsere Baureihen bringen. Der Flügeltürer SLS ist schon der erste Bote, der CLS wird Ende des Jahres den nächsten Schritt dieser Designlinie zeigen. Dann wird sukzessive die neue Designsprache sichtbar werden. Viele Elemente davon wird man auch in der neuen S-Klasse und der nächsten C-Klasse sehen.

Kommen wir zur Effizienz. Im F800 sind wahlweise zwei verschiedene Antriebsformen vorgesehen, ein Hybridantrieb mit Steckdosenanschluss oder ein Elektroauto mit Brennstoffzelle. Ist das das Muster für künftige Baureihen, dass alle Autos neben klassischen Verbrennungsmotoren verschiedene alternative Antriebe haben können?

Ich glaube, hier sind wir wieder einmal beispielgebend. Die Kundenanforderungen weltweit sind sehr vielfältig, wenn wir etwa Europa, die USA, die arabischen Länder oder China miteinander vergleichen. Nur mit einem Fahrzeugkonzept oder nur einem Antrieb wird man nie rund um die Welt erfolgreich sein können. Wir glauben, dass Autohersteller künftig nur mit einer flexiblen Fahrzeugarchitektur erfolgreich sein können. Bei den kompakten Fahrzeugen mit Frontantrieb haben wird bereits gezeigt, wie man unterschiedlichste Antriebsvarianten einbauen kann. Nun folgen die größeren Fahrzeuge mit Heckantrieb. Dies umfasst auch als Spitzenvariante den Plug-in-Hybridantrieb und den Elektroantrieb mit Brennstoffzelle und 600 Kilometer emissionsfreier Reichweite wie im F800. Das gab es noch nie. So sind auch große Fahrzeuge definitiv zukunftsfähig. Hier greifen wir unsere Wettbewerber voll an.

Sie zeigen hier auch erstmals eine E-Klasse mit Dieselhybrid. Welche Bedeutung hat diese Antriebsform?

Der weltweit erste Dieselhybrid im Premiumsegment ist ein sensationeller Schritt, weil wir damit in dem Kernsegment von Mercedes-Benz einen Hybrid anbieten. Und zwar einen Vollhybrid, der auch rein elektrisch fährt.

Gibt es schon eine Entscheidung, ob das Auto in Serie produziert wird?

Das ist entschieden. Wir sind mit diesem Auto mitten im harten Erprobungsprogramm und kommen nächstes Jahr in Serie. Das Auto bietet Bestwerte in puncto Umwelt: 109 Gramm CO2 je Kilometer, also 4,1 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer. Es geht jedoch nicht allein um einen Unterbietungswettlauf bei den CO2-Werten, es geht um ganz neue Verkaufsargumente: Man kann zum Beispiel geräuschlos aus der Garage fahren. Diese neuen Markenwerte werden wir betonen und dafür wird der Kunde auch bereit sein, ein bisschen mehr Geld auszugeben.

Was heißt ein bisschen?

Unser Ziel ist, von Beginn an mit diesen Autos Geld zu verdienen. Ich sage mal: wenige Tausend Euro mehr. Diese Mehrkosten entstehen vor allem, weil die Hightechbatterie und der Elektroantrieb teuer sind. Den endgültigen Preis werden wir erst bei der Markteinführung bekanntgeben.

Daimler ist bei den alternativen Antrieben auf vielen Feldern unterwegs. Es gibt den smart mit Elektroantrieb und die B-Klasse mit Brennstoffzelle, bald folgt die A-Klasse mit Elektroantrieb. Bisher handelt es sich jedoch um Kleinserien und Mietmodelle. Bedeutet dies, dass die Autos noch zu teuer sind, um sie zu verkaufen?

Zunächst eines vorweg: diese Vielfalt zeigt deutlich, Mercedes-Benz greift an, auf voller Front und mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit. Mit dem Mietmodell wollen wir den Kunden signalisieren, dass sie bei dieser neuen Technik kein Risiko befürchten müssen. Wir stellen das Auto für eine festgelegte Rate zur Verfügung und zwar als Full-Service-Sorglospaket.

Wann ist denn eine Großserienproduktion von Elektroautos zu erwarten?

Wir geben hier kräftig Gas. Beim ersten Pilotprojekt mit dem Elektro-Smart in London waren es 100 Autos und jetzt sind es schon 1000 Smarts. 2012, das ist ja fast übermorgen, planen wir dann fünfstellige Stückzahlen, also 10.000 pro Jahr. Und wenn wir solche Stückzahlen haben, werden wir das Auto völlig normal verkaufen. Bis dahin wird es auch genügend Stromtankstellen geben. Mietmodelle sind also keineswegs ein Zeichen für eine zögerliche Herangehensweise.

Daimler hat eine Allianz mit dem chinesischen Autohersteller BYD vereinbart. Die Chinesen haben bereits eine Partnerschaft mit dem Wolfsburger VW-Konzern. Beißt sich das nicht?

Keineswegs. BYD ist der mit Abstand am schnellsten wachsende chinesische Autohersteller. Vor wenigen Jahren hat er erst damit begonnen, Autos zu produzieren, heute fertigt er bereits 400.000 Wagen pro Jahr. Das erste Elektroauto, der E6, ist hier in Genf zu sehen. Das Unternehmen hat das klare Ziel, in relativ kurzer Zeit die Schwelle von einer Million Autos im Jahr zu überspringen. Wir haben intensive Gespräche geführt und gestern eine Absichtserklärung für eine Technologiepartnerschaft unterzeichnet. Auf der Basis einer neuen gemeinsamen Marke werden wir ein Elektrofahrzeug in China und für China entwickeln und damit an dem Wachstum dieses Marktes teilhaben. Dies unterscheidet sich deutlich von den Überlegungen auf Komponentenebene zwischen BYD und Volkswagen.

Inwiefern tangiert die neue Partnerschaft von Daimler mit BYD die bisherigen Allianzen etwa mit Litec, Evonik oder dem kalifornischen Elektroautohersteller Tesla.

Überhaupt nicht. Bei der gemeinsamen Entwicklung mit Litec und Evonik geht es um Hightechbatterien nach dem Motto: Das Beste oder nichts. Dies treiben wir weiter intensiv voran. Tesla liefert Lithium-Ionen-Batterien für den Elektro-Smart. Wer in China erfolgreich sein will, muss dort auch aktiv werden. Die Partnerschaft mit BYD sichert unser Geschäft in China ab, wo wir die mit Abstand am schnellsten wachsende Premiummarke sind. Letztes Jahr haben wir dort 70.000 Autos verkauft, dieses Jahr wollen wir 100.000 Autos erreichen. Wenn man weiß, dass die chinesische Regierung sich vornimmt, dass bereits im nächsten Jahr fünf Prozent aller verkauften Autos einen Elektroantrieb haben sollen, weiß man mit welchem immensen Tempo dieses Thema dort vorangetrieben wird. China ist der weltweit am stärksten wachsende Automarkt. China braucht Mobilität, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, und hat kein Erdöl. Allein dieser Mangel an Ressourcen spricht für den Elektroantrieb, möglichst aus regenerativer Energie. BYD ist auch hier stark als Anbieter von Solartechnik, mit Batterien, die in China für China gemacht werden. Um die Entwicklung zu beschleunigen, werden wir in China ein Technologiezentrum einrichten. Die Partnerschaft wird das Wachstum von Daimler auf diesem Zukunftsmarkt beflügeln.

Als BYD vor einigen Jahren auf der Motorshow seine Autos im Kellergeschoss der Messehallen zeigte und seine hochfliegenden Pläne erläuterte, wurde der Elektronikspezialist belächelt.

Man sollte sich davor hüten, chinesische Unternehmen, die große Pläne haben, zu belächeln. BYD hat die Kompetenz und die Ressourcen, alle Komponenten für ein Elektroauto in China zu produzieren. Das Unternehmen hat mit einem immensen Kraftakt die besten Leute von den chinesischen und den internationalen Hochschulen geholt. Die Autos sind heute natürlich noch nicht auf dem Stand, wie man ihn in Europa erwartet. Aber für den chinesischen Markt sind sie perfekt geeignet. Das Knowhow dieses Unternehmens im Bereich Elektrik, Elektronik und Batterie sowie den niedrigen Kosten, gepaart mit unserer Erfahrung wird beiden Seiten Gewinn bringen. Was auch nicht unwichtig ist: die chinesische Regierung unterstützt dieses Vorhaben massiv.

Quelle:www.stuttgarter-zeitung.de


Offline
  Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
 Page 1 of 1 [ 1 post ] 

All times are UTC + 1 hour


Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 1 guest


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Jump to:  

cron