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 Post subject: Freiheitsstrafe für Todesfahrer aus Lollar
#1PostPosted: 16. Feb 2010, 09:10 
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Ich fahre einen...: Mazda ;-))
Gießen/Lollar (ti). »Warum müssen die so fahren? Irgendwann passiert noch was«, dachte sich eine 20-jährige Studentin, als sie am Abend des 25. September nach Hause fuhr. Schon in der Marburger Straße in Gießen war die Lollarerin von einem »smart« überholt worden, obwohl es in ihren Augen »keinen Grund dafür gab«.

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Auf der weiteren Strecke beobachtete sie wechselseitige Überholmanöver zwischen dem Kleinwagen und einem weiteren Fahrzeug bis in ihren Heimatort hinein. Und dort passierte es. In der Gießener Straße, kurz hinter der Einmündung Schwimmbadstraße, erfasste der »smart«, der von einem 21-jährigen Mann gelenkt wurde, gegen 20.40 Uhr einen 74-Jährigen beim Überqueren der Fahrbahn. Der Senior starb kurz darauf an seinen schweren Verletzungen. Eine Kausalität zwischen dem Fahrverhalten zuvor und dem Unfall konnte Strafrichter Martin Blanke zwar nicht herstellen. Er war sich aber sicher: »Da ist etwas abgelaufen.« Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte er den jungen Lollarer zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten und setzte diese zur Bewährung aus. Der Anklagevertreter, Oberamtsanwalt Udo Moch, hatte lediglich eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro gefordert. Für ein »Wettrennen« vor dem Unfall fehlten ihm verwertbare Beweise.

Doch der Präsident des Gießener Amtsgerichtes wertete den Unrechtsgehalt der Tat höher als der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Es ergebe für ihn keinen Sinn, dass der Angeklagte, den Fußgänger nicht gesehen habe. Der Unfallfahrer hatte die Tat zwar eingeräumt, sich aber nicht erklären können, warum er die Person auf der Straße erst so spät wahrgenommen hatte. »Ich weiß es nicht«, erklärte er auf Nachfrage des Gerichtes. Laut Gutachten des Kfz-Sachverständigen Michael Röhler hatte der Angeklagte 60 Meter zuvor uneingeschränkten Blick auf die Unfallstelle, die zudem »mäßig bis gut ausgeleuchtet« sei. Dennoch registrierte er den 74-jährigen Passanten nicht, wich ihm erst im letzten Moment per Linkslenkung aus und erfasste ihn - mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h mit dem rechten Kotflügel. Der Mann prallte gegen die Windschutzscheibe und wurde auf die Fahrbahn geschleudert. Schwerste innere und äußere Verletzungen waren die Folge. Den notwendigen Bremsvorgang, der dem Todesfahrer laut Sachverständigen ermöglicht hätte, noch vor der Unfallstelle anzuhalten, hatte der 21-Jährige nicht eingeleitet.

Warum nicht? War er abgelenkt? Und wenn ja, wodurch? Dieser Frage ging Martin Blanke lange und akribisch nach. Der Angeklagte selbst war nicht in der Lage oder Willens, irgendeine Art Ablenkung zu beschreiben. Auch ein »Wettrennen« mit einem anderen Fahrzeug habe es auf der Strecke zwischen Gießen und Lollar nicht gegeben. Bestätigt wurde er von seinem gleichaltrigen Beifahrer. Auf eine aggressive Fahrweise seines Freundes angesprochen, meinte dieser: »Ich weiß nichts davon.«

Mehrere Zeugen zeichneten allerdings ein anderes Bild. Die 20-jährige Lollarerin, die vom Angeklagten bereits in Gießen überholt worden war und von einem zweiten Fahrzeug berichtete, »hatte den Eindruck, dass sie gegenseitig konkurrieren«. An einer Ampel »wurde definitiv mit dem Gas gespielt«. Ähnliches hatte eine 48-jährige Frau aus Mainzlar beobachtet, die sich bezüglich des »smart«-Lenkers fragte: »Wie fährt der denn?« Regelrecht gefährdet fühlte sich ein 44-jähriger Frankfurter, der dem Unfallfahrer in Lollar entgegenkam und dachte: »Was passiert da vorne?« Was ihn da so in Angst versetzt hatte, konnte er nicht mehr genau sagen, wusste aber noch, dass er dachte: »Habt ihr sie noch alle?«

Und genau an diesen, in unterschiedlichsten Situationen gemachten Wahrnehmungen der Zeugen hatte der Strafrichter »keine begründeten Zweifel«. Da jedoch von dem zweiten Wagen jede Spur fehlte und keiner den Unfallfahrer vor der unmittelbaren Kollision beobachtet hatte - auch ein Zeugenaufruf der Polizei nach dem Unfall hatte dahingehend nichts ergeben -, ließ sich das Ganze nicht mehr aufklären.

Quelle:www.giessener-allgemeine.de


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