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 Post subject: Mieten im Minuten-Takt
#1PostPosted: 15. Apr 2010, 10:42 
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Mieten im Minuten-Takt

Das von Daimler initiierte Mietprojekt car2go zieht Bilanz. Rund 235.000 Buchungen in einem Jahr zeigen: Das Auto als Statussymbol hat ausgedient, der urbane Mensch will eine neue Form der Mobilität. Von Michael Specht

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Mama, da fährt jemand mit unserem Auto weg." Dies ist so ziemlich das einzig Negative, was Robert Hendrich zu berichten hat. Wie soll ein fünfjähriger Knirps auch wissen, dass von den weißen smart in Ulm noch 199 andere, identisch lackierte Exemplare unterwegs sind? Hendrich ist Geschäftsführer von car2go, jenem von Daimler unterstützten Mietprojekt in Ulm. Hier wurde vor einem Jahr der Versuch gestartet, Menschen an eine andere Art der Mobilität heranzuführen. 200 smart stehen in der Stadt registrierten Kunden beliebig oft und lange zur Verfügung. Einsteigen, losfahren, abstellen, aussteigen. Die Nutzung wird mit 19 Cent per Minute abgerechnet - ähnlich wie bei einem Handy. Nicht einmal tanken muss der Kunde.

Mobilität im Umbruch
Wozu noch ein Auto kaufen, wenn man es nur 30 Minuten am Tag benötigt? Diese Frage stellen sich vor allem junge Leute in Städten immer häufiger. Marktforschungsinstitute sehen für sämtliche Formen von Car-Sharing-Systemen einen Trend mit hohen Zuwachsraten. Die schlechtesten Prognosen liegen bei 20 Prozent pro Jahr, die besten bei 50 Prozent. Das car2go-Prinzip ist bislang einmalig. Der Nutzer lässt sich registrieren und kriegt einen Chip auf seinen Führerschein geklebt. Diesen hält er von außen gegen das Lesegerät hinter der Winterschutzscheibe, der smart öffnet seine Türen. Schlüssel liegt im Handschuhfach. Nun erfolgen auf dem Touchscreen lediglich ein paar Eingaben wie Pin-Nummer und ob der Wagen sauber oder vielleicht beschädigt ist. Die Fahrt kann beginnen. Am Ziel meldet sich der Mieter über seinen Chip wieder ab, Schlüssel zurück ins Handschuhfach, fertig. Der smart wird für den nächsten Nutzer frei. Gebucht werden kann entweder über eine Service-Hotline, das Internet oder auch über das iPhone. Das Handy zeigt auf einer Karte die Positionen an, wo in näherer Umgebung freie smart stehen. Reservierungen sind bis zu 24 Stunden im Voraus möglich. Man kann aber auch spontan einsteigen und losfahren. Ein grünes Lämpchen am Lesegerät zeigt, wenn das Auto frei ist.

235.000 Buchungen im ersten Jahr
car2go hat sich in Ulm so gut bewährt, dass sich statt anfangs geschätzter 8000 mehr als doppelt so viele Personen haben registrieren lassen. "Die Akzeptanz übertraf alle Erwartungen", sagt Hendrich. Jeder smart wurde täglich vier bis acht Mal gemietet, im Schnitt 30 bis 60 Minuten genutzt und zehn bis 15 Kilometer bewegt. Insgesamt gab es 235.000 Mietvorgänge im ersten Jahr. Addiert wurde insgesamt eine Strecke von 3,3 Millionen Kilometern zurückgelegt. Doch die Kapazitätsgrenze ist erreicht. "Es wird zunehmend schwieriger, freie Fahrzeuge zu finden", so Hendrich, "daher werden wir in den kommenden Monaten den Bestand um weitere 100 smart aufstocken."

Car2go ist bereits mit dem "Öko-Globe" ausgezeichnet worden. Zwar emittieren auch die Smarts Kohlendioxid - wenn auch weniger als andere Autos -, doch den Preis gab es unter anderem auch deswegen, weil "Studenten aus Geldmangel sonst ein alte Karre kaufen würden", wie Hendrich es salopp formuliert, und ergänzt: "Außerdem führt car2go dazu, dass Menschen mit der Mobilität intelligenter umgehen." Sehr zufrieden ist Hendrich auch mit dem Pflegezustand der Wagen. Nur wenige Nutzer hinterließen einen Saustall oder fuhren Beulen ins Blech. Über das Buchungs- und Abrechnungssystem sowie die Zustandseingabe des Nachmieters lassen sich die schwarzen Schafe - ähnlich wie bei ebay - exakt ermitteln.

Das Problem sind Parkplätze
Wie geht es weiter? Die Testphase in Ulm ist abgeschlossen, aber nicht beendet. Das Projekt wird unbefristet fortgesetzt. Im November vergangenen Jahres ist Daimler mit car2go bereits nach Austin/Texas gegangen. Allerdings beschränkt sich der Einsatz dort nur auf die 13.000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Auch dort wurde das Mietkonzept sehr positiv angenommen und soll nun auf Privatkunden ausgedehnt werden. "Noch in diesem Jahr ist eine europäische Großstadt dran", verspricht Hendrich. Welche, wollte der Manager allerdings nicht verraten. Spekuliert wird Hamburg oder Rom. Das Problem in den Metropolen ist leider, dass es so gut wie keinen freien Parkraum gibt und sich besonders deutsche Kommunen zicken, gesonderte Flächen für die Miet-Smart auszugeben. Hendrich: "Dass der Kunde einen Parkplatz findet, ist integraler Bestandteil des Systems."


Quelle:www.stern.de


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