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 Post subject: Kaffeemaschine raus, Auto rein
#1PostPosted: 5. Oct 2009, 09:28 
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Elektroauto

Kaffeemaschine raus, Auto rein

Von Hannah Schneider

Selbstversuch Elektroauto: Auf Steckdosen-Safari in der Stadt. Die Autorin berichtet von den ersten Tagen mit einem Elektro-Auto. Auffallend ist das Auto vor allem deshalb, weil es keinen Ton von sich gibt.

[img=]http://www.ksta.de/ks/images/mdsBild/1254229981959l.jpg[/img]
Von November an soll der "smart fortwo electric drive" vom Band laufen. (Bild: Worring)

KÖLN - Der Elektro-Smart steht erst seit einem Tag vor meiner Tür. Den Steckdosenblick habe ich trotzdem schon. Als wären meine Augen konditioniert auf das Plastikteil an der Wand mit zwei Löchern drin. Meine Schwester hat eine auf der Terrasse, bei Freunden sitzt eine an der Wand in der Nähe des Wohnzimmerfensters, der Döner-Mann unter meiner Wohnung hat gleich mehrere und in Supermärkten finden sie sich auch immer irgendwo. Und überall ist in Reichweite von 50 Metern Platz für meinen Elektro-Smart. Könnte ja sein, dass ich tanken muss.

50 Meter, so lang ist das Verlängerungskabel, dass ich mir für die einwöchige „Liaison“ mit dem Elektro-Auto gekauft habe. Vorsichtshalber eben, und zugegebenermaßen auch aus Nervosität. Wer weiß schließlich, wo mich in den nächsten Tagen der Auto-Akku im Stich lässt? Torsten Heiland, Mitarbeiter des Stromproduzenten RWE, der den smart in Zusammenarbeit mit Daimler entwickelt, hat bei meiner Einweisung in die Technik des Autos gelacht. „20 Meter hätten es wohl auch getan. Tauschen Sie das um.“ Das überlege ich mir noch.

Kein Mucks

Die ersten Starts mit dem smart sind noch ganz schön ungewohnt. Ich drehe den Zündschlüssel um, stelle den Schalthebel in den Fahrmodus, löse die Handbremse. Wie man ein Auto eben so startet. Kein Mucks vom smart. Absolute Stille. „So, und jetzt losfahren“, hatte Heiland bei der ersten Fahrt gesagt, da saß er noch neben mir. Jetzt bin ich alleine mit meinem Testobjekt. Mein 13 Jahre alter Nissan, der gerade eine Woche Schonzeit hat, würde jetzt grummeln und vibrieren, ein bisschen mit dem Auspuff rappeln. Vertraute Geräusche, die ein Auto mit Verbrennungsmotor eben so macht. Im Elektro-Smart - nichts.

Aber trotzdem: Das Auto bewegt sich beim Tritt aufs Gaspedal. Vollkommen lautlos. Das einzige Geräusch kommt durchs offene Fenster - die Reifen quietschen auf dem Asphalt. Am meisten Spaß macht das bei meiner ersten Fahrt über die Severinstraße. Vor einer vollbesetzten Café-Terrasse muss ich anhalten, Fußgänger durchlassen, und dann wieder anfahren. Flüsterleise, wie von einem unsichtbaren Magneten gezogen. Die meisten Kaffeetrinker gucken. Ein PKW ohne Ton, eine optische Täuschung? Einen höre ich durchs offene Fenster sagen: „Ach, guck mal, da ist ja so'n Elektro-Auto.“ Ganz intuitiv fährt sich das kleine Mobil, reagiert stufenlos und unmittelbar aufs Gas beziehungs weise den Strom, ein bisschen wie ein Autoscooter. Ich werde in den Sitz gedrückt, so flott zieht der smart beim Gasgeben an. Nehme ich den Fuß vom Pedal, wird er direkt langsamer. Auf diese Weise zu bremsen, muss ich mir jetzt angewöhnen - die Energie, die beim Ausrollen entsteht, fließt zurück in die Batterie des Autos.

Geringe Reichweite ist das Problem

Strom sparen ist angesagt in dieser Woche, schließlich hat der Elektro-Smart nur eine Reichweite von ungefähr 115 Kilometern. Mehr Energie kann die so genannte „Zebra“-Zelle im Auto, die Natrium-Nickel-Chlorid-Batterie, nicht speichern. Und auch die Lithium-Ionen-Akkus, mit denen der emissionsarme smart 2012 in Serie gehen soll, schaffen nicht mehr. Die geringe Reichweite ist einer der Gründe, warum die reinen Stromer noch nicht in Massenproduktion gehen, warum Hybrid-Autos viel praktikabler scheinen, bei denen ein normaler Verbrennungsmotor einspringt, wenn der Elektromotor nicht mehr kann. Der Wettlauf der Autobauer um den besten und günstigsten Stromspeicher läuft also. Noch sind die Akkus das teuerste Teil am Strommobil. Während die Energie für einen Kilometer Fahrt ungefähr zwei Cent kostet, macht der Speicher mit bis zu 10.000 Euro die Hälfte des Kaufpreises aus. Wer das Rennen gewinnt, hat also gute Chancen, das erste durchsetzungsfähige Elektro-Auto auf den Markt zu bringen. Bis dahin ist es allerdings nicht nur ein Thema, Strom zu sparen, sondern vor allem überhaupt erst mal welchen zu finden.

Stromtankstellen gibt es in Berlin, wo der Elektro-Smart im Pilotprojekt getestet wird. Auch in Essen, wo RWE zu Hause ist, stehen welche. Außerdem in Düsseldorf, Frankfurt und Neuss. Aber in Köln? Fehlanzeige. Der smart kommt an die Haushaltssteckdose. Vier Stunden muss er 230 Volt tanken, um 80 Prozent der Batterie aufzuladen, „Volltanken“ dauert sechs bis acht Stunden.

Solarzellen sind Zukunftsmusik

Ganz schön durchgeplant habe ich meine ersten Tage mit dem Stromer also: Wenn ich arbeite, zapft das Auto die Steckdose im Redaktionsparkhaus an, zu Hause hängt es in der Tiefgarage um die Ecke am Netz. Gar nicht so einfach, eine Garage mit Stromzugang zu finden: „Wenn ich solche Anfragen jetzt öfter kriege, baue ich Steckdosen ein, mit Stromzähler“, hat einer der Parkhausbesitzer gesagt. Zukunftsmusik in der Elektro-Auto-Szene sind außerdem Solarzellen auf Privatgaragendächern.

Für zwischendurch habe ich mein 50-Meter-Kabel dabei. Für alle Eventualitäten. Das reicht auch von der Straße bis hoch in mein Küchenfenster in der zweiten Etage. Die erste Eventualität ist nämlich schon passiert. Der Hausmeister der kleinen Tiefgarage um die Ecke geht nicht ans Telefon. Kein Strom für den smart. Also schnell das Auto vor die Tür geparkt, die Fensterbank leer geräumt, Kabel bis auf die Straße gehängt. Kaffeemaschinenstecker raus, smart rein. Eine Stunde zwischenladen und 20 Kilometer sind wieder drin. Mal sehen, wo das Elektro-Auto und ich dann sind - im Notfall hilft der Steckdosenblick.


Quelle: www.ksta.de



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